Rezension – Das Ende des Geldes, wie wir es kennen von Alexander Hagelüken

Keynesianer, Riccardianer, Neo-Liberalisten – diese illustre Liste der volkswirtschaftlichen Ideologien ließe sich so noch ein Weilchen fortsetzen. Seit vielen Jahrzehnten streitet sich die Wissenschaft darüber, mit welcher Geld- und Fiskalpolitik eine Volkswirtschaft wohl am besten zu lenken ist. Alle Parteien vertreten ihre jeweilige Position hierbei naturgemäß mit viel Verve und legen sehr detailliert dar, warum alles andere als die eigene Vorgehensweise ein ökonomisches Desaster nach sich ziehen würde. In dieser Gemengelage bewegt sich auch Alexander Hagelükens Buch „Das Ende des Geldes, wie wir es kennen“. Das Cover mit den leicht verschwommenen Lettern und dem Untertitel „Der Angriff auf Zinsen, Bargeld und Staatswährungen“ kommt in dieser Hinsicht fast schon martialisch bis populistisch daher und lässt einen bei der Frage, ob es sich bei vorliegendem Werk um ein seriöses Sachbuch oder politische Meinungsmache handelt, kurz stocken. Doch der Reihe nach.

Eine Geschichte des Geldes

Was im Titel etwas plump daherkommt, startet zunächst als unterhaltsame, aber dennoch informative Reise durch die Geschichte des Geldes. Angefangen bei der Nutzung von Kaurimuscheln als Tauschmittel über die ersten Münzen und die Entstehung von (Zentral-)Banken wird der Bogen bis hin zu den Kryptowährungen der Gegenwart gespannt. Im Anschluss geht es weiter mit  den Krisen der Gegenwart und deren Auswirkungen auf traditionelle Zinsprodukte und Wertpapiere. Während der erste Teil des Buchs noch relativ neutral daherkommt, ist es damit ab hier zuende. So legt der Autor die Aktionen der Zentralbanken und der Einzelstaaten zur Eindämmung der jeweiligen Krise zwar recht schlüssig dar, lässt jedoch hierbei jegliche auch nur ansatzweise kritische Betrachtung völlig außer Acht. Seiner Ansicht nach war die Mischung aus einer Senkung der jeweiligen Leitzinsen, dem massenhaften Ankauf von (Staats-)Anleihen und einer klassisch keynesianisch nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik (Stichwort Abwrackprämie) vollkommen alternativlos und hätte eher noch stärker ausfallen müssen. Die zugehörige Kritik an der durch die Bundesregierung seit etwa 2014 propagierten Schwarzen Null ergänzt dieses Bild. Ohne dies vollumfänglich volkswirtschaftlich analysieren zu können bzw. zu wollen, hätte ich mir an dieser Stelle zumindest ein paar leise Kritiktöne oder alternative Denkweisen gewünscht.

Wenige Fachleute, viele Wiederholungen

Stilistisch ist das Buch eine Mischung aus eigenen Theorien des Autos und den Aussagen von verschiedenen Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten, die über den gesamten Verlauf des Buches immer wieder beiläufig eingestreut werden und die jeweilige These des Autors untermauern. Soweit nichts verwerfliches, jedoch wächst mit jeder weiteren gelesenen Seite der Eindruck, dass der Autor letztlich gar nicht mal soviele Fachleute befragt hat, weil man diese recht schnell auseinanderhalten bzw. wiedererkennen kann. Da das Buch nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung erhebt, kann man über diesen Fakt letztlich noch hinwegsehen. Etwas ärgerlicher ist da schon die Tatsache, dass viele Fakten und Anekdoten im Buch mehrfach verwendet werden. Ob der Autor den pädagogischen Ansatz „Lernen durch Repetition“ verfolgt, vermag ich nicht zu beurteilen, gleichwohl irritiert das ständige Gefühl, einen Fakt so oder so ähnlich schon einmal gelesen zu haben. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob diese Tatsache lediglich mangelnder Sorgfalt beim Lektorat geschuldet ist oder schlichtweg an vielen Stellen andernfalls nicht genug Stoff vorhanden gewesen wäre.

Der (Un)Sinn von Anhängen

Insgesamt liest sich das Buch auch für Nichtökonom*innen gut und man erfährt mit Sicherheit einige Zusammenhänge, derer man sich vorher nicht in diesem Umfang bewusst war. Dies gilt insbesondere für die letzten Kapitel über Kryptowährungen und Konzerngeld. Insofern ist man mit Hagelükens Werk aus rein inhaltlicher Sicht mit einem durchschnittlichen bis fortgeschrittenen ökonomischen Vorwissen nicht schlecht bedient. Vorbehaltlos empfehlen kann ich das Buch jedoch nicht, da man in jedem Fall in der Lage sein sollte, manche Passagen kritisch zu hinterfragen. In diesem Zusammenhang soll noch ein letzter Kritikpunkt Erwähnung finden: Um sowohl Anfänger*innen als auch fortgeschrittenere Leser*innen anzusprechen, enthält das Buch zahlreiche Verweise auf weiterführende Literatur und einen Anhang. Letzterer ist mit einem Anteil von knapp 35 deutlich enger gesetzten Seiten (von insgesamt 220 Seiten) als durchaus üppig zu bezeichnen. Zwar ist dieses Verfahren ein lobenswerter Versuch, das Hauptwerk schlank und lesbar zu halten und dennoch weiterführendes Wissen anzubieten, jedoch stört das ständige Blättern den Lesefluss doch erheblich. Als Konsequenz habe ich vom Anhang letztlich nicht viel gelesen, obwohl mich manches vielleicht wirklich interessiert hätte. Da ein zusammenhängendes Lesen des Anhangs nach Lektüre des Hauptwerks ebenfalls wenig Lesespaß bereitet, wird der Anhang wahrscheinlich bei den meisten Leser*innen  eher links liegen gelassen werden und hat so nur begrenzten Wert. Man fragt sich also, ob man den oben geschilderten Zielgruppenkonflikt nicht anders hätte lösen und die entsprechenden Seiten für die ein oder andere zusätzliche Perspektive auf die dargestellten Sachverhalte hätte nutzen können.

Details zum Buch

Autor: Alexander Hagelüken
ISBN: 978-3-3406-757235
Preis: 16,00 Euro (als Taschenbuch)
Seiten: 220
Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsjahr: 2020

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