Rezension – Leckerland ist abgebrannt von Manfred Kriener

Auf dieses Buch, dessen Titel ein wenig wie ein Kinderbuch klingt, stieß ich mehr oder weniger zufällig durch eine SPIEGEL-Rezension. Laut Untertitel geht es um Ernährungslügen und den rasanten Wandel der Esskultur unserer Zeit. Da mich das Thema Ernährung schon seit längerer Zeit beschäftigt und ich natürlich auch den verbrannten Smiley-Toast auf dem Cover ganz amüsant fand, machte ich mich an die Lektüre. Manch einer mag nun vielleicht denken, dass dieses Buch nur eines dieser dogmatischen Werke ist, die einem vorschreiben wollen, was man essen soll und was nicht. An dieser Stelle kann ich jedoch Entwarnung geben, der Ansatz des Buches ist weitgehend objektiv, wenn auch die reine Sachlichkeit an der ein oder anderen Stelle etwas verloren geht. Dazu jedoch später mehr.

Ein kontroverses Thema

Dass um Ernährung und alles darum herum häufig erbittert gestritten wird, weiß jede*r, der oder die einmal Beiträge in einem x-beliebigen Ernährungsforum gelesen hat. In dieser Gemengelage unterscheidet der Autor zunächst grob drei Kriterien, nach denen Konsument*innen ihre Kaufentscheidungen für Lebensmittel treffen:

– Geschmack und Preis
– Gesundheitliche Aspekte
– Ethisch-moralische Aspekte

Das Buch richtet sich hier eher an die letzten beiden Gruppen und hat den Anspruch, Informationen zu bestimmten Bereichen der Ernährung bereitzustellen und Kaufentscheidungen von Lebensmitteln ein wenig leichter zu machen, denn je mehr man über das Thema weiß oder zumindest ahnt, desto schwerer fallen diese. Oder um es mit den Worten des Aachener Psychoanalytikers Micha Hilgers zu sagen: Viele Konsument*innen müssen beim wöchentlichen Einkauf bei nahezu jedem Lebensmittel „Ambivalenzspannungen ertragen“ und „Kompromisse eingehen“. Es kann daher nicht schaden, zumindest einen gewissen Kompass zu haben, der grob in die „richtige“ Richtung zeigt. Manfred Kriener möchte mit diesem Buch einen solchen zur Verfügung stellen und Wege aufzeigen, ein*e mündige*r Konsument*in zu werden.

Lebensmittelindustrie auf dem Prüfstand

Getreu dieses Anspruchs mäandert der Autor auf etwas mehr als 200 Seiten durch Themen wie Massentierhaltung, die Aussagekraft von Biosiegeln bis hin zur Herstellung von Fleisch aus dem Reagenzglas und vielem mehr. Das Niveau bzw. die inhaltliche Tiefe ist hierbei allerdings sehr unterschiedlich. Während manche Themenkomplexe tatsächlich sehr interessant in der richtigen Flughöhe aufbereitet sind, so schienen mir manche Bereiche auch sehr oberflächlich angeschnitten. So sollte bspw. mittlerweile eigentlich jede*r auch nur leidlich aufgeklärte Konsument*in über die Machenschaften der Zuckerlobby zumindest grob informiert sein und doch widmet der Autor diesem Thema ein ganzes Kapitel, in dem eigentlich nicht viel mehr steht als dass Zucker im Übermaß schädlich ist. Auch an anderen Stellen hatte ich den Eindruck, das Gelesene so oder so ähnlich bereits an anderer Stelle gehört zu haben. Das krasse Gegenteil zu diesen inhaltlich eher flachen Teilen bildet das Schlusskapitel zum Thema Wein, welches sich von der Detailtiefe eher an spezialisierte Weinkenner*innen zu richten scheint.

Unterhaltsam mit leichten Schwächen

Wie im letzten Absatz angedeutet fehlt dem Buch ein wenig der rote Faden und zuweilen scheint der Autor zu vergessen, welche Zielgruppe er eigentlich ansprechen möchte. Dennoch liest sich das Werk gut, denn der Schreibstil ist sowohl pointiert als auch unterhaltsam und die zahlreichen Quellenangaben und Tipps zum Weiterlesen runden das Bild ab. Da dem Buch zudem kein bevormundendes Element anhaftet und der Autor auch unmissverständlich klarstellt, dass man bei allen moralischen Überlegungen den Genuss nicht aus den Augen verlieren darf, kann man dieses Buch guten Gewissens weiterempfehlen. Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass man manches Lebensmittel nach der Lektüre vielleicht mit anderen Augen sehen wird.

Details zum Buch

Autor: Manfred Kriener
ISBN: 978-3-7776-2815-8
Preis: 18,00 Euro (als Taschenbuch)
Seiten: 232
Verlag: Hirzel
Erscheinungsjahr: 2020

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