Rezension – Tuesdays with Morrie von Mitch Albom

Über die Wirkung von Zitaten

“Tuesdays with Morrie ist eines der schönsten und tiefgreifendsten Bücher, welches ich je gelesen habe!“

Virginia S. Humphrey

„ Das Buch ist ein wahrer Schatz, den jeder einmal gelesen haben sollte.“

David L. Klingensmith

So lauten frei übersetzt zwei der 31 (!) Zitate, die „Tuesdays with Morrie“ vorangestellt sind. Positive Zitate aus Rezensionen als Kaufanreiz auf Buchrücken oder auf die ersten Seiten eines Buches zu drucken,  ist bekanntlich eine sehr beliebte Methode und findet sich bei gefühlt jedem dritten Buch wieder. Natürlich weiß man eigentlich um die begrenzte Aussagekraft solcher Wertungen, denn welcher Verleger würde ein negatives Zitat abdrucken? Eine solch extreme Form des Selbstlobes habe ich jedoch bisher noch nicht gesehen. Einerseits ließen mich die drei Seiten voll mit Aussagen von Personen, deren Leben dieses Buch angeblich komplett geändert hat, natürlich auch denken, dass das Buch ja dann irgendetwas an sich haben muss. Andererseits waren meine Erwartungen an den Inhalt  nun umso größer, was bekanntlich auch nicht immer gut ist.

Wer ist eigentlich Morrie?

Das Cover von Tuesdays with Morrie ist schlicht und nicht unbedingt schön.

Die Grundhandlung von „Tuesdays with Morrie“ ist relativ simpel und schnell erklärt. Die Hauptperson des Buches ist der emeritierte Professor für Soziologie Morrie Schwartz, der an ALS im fortgeschrittenen Stadium leidet und daher nur noch wenige Monate zu leben hat. Die zweite wichtige Person ist Mitch, ein ehemaliger Student von Morrie, der zu seiner Collegezeit eine enge Bindung zu seinem Dozenten hatte. Mitch erfährt nun durch einen Zufall, dass sein alter Professor im Sterben liegt. Daraufhin beschließt er, diesen zu besuchen und die beiden können recht schnell an ihre alte Vertrautheit anknüpfen. Von nun an treffen sich Lehrer und Schüler jeden Dienstag zu einer letzten Vorlesung über die Lektionen des Lebens.

Das Leben in 14 Akten

Das Buch kann also als eine Art Kammerspiel zwischen den zwei Akteuren gesehen werden, welches lediglich durch einige Rückblenden unterbrochen wird. In 14 Akten werden verschiedene Themen wie bspw. Arbeit, Familie, Liebe, das Altern und auch der Tod besprochen und man lernt durch seine Aussagen auch die Person Morrie Schwartz kennen, die es im Übrigen wirklich gegeben hat. Je mehr Lektionen man gelesen hat, desto mehr bewundert man diesen Menschen, der den eigenen Tod vor Augen die wesentlichen Dinge des Lebens auf den Punkt bringt und seiner scheinbar hoffnungslosen Situation viele positive Aspekte abgewinnen kann. So bezeichnet Morrie an mehreren Stellen des Buchs sein langsames Sterben als großes Glück, da er sich auf diese Weise von seinen Freunden und Weggefährten in Ruhe verabschieden kann und nicht einfach plötzlich weg ist. Nur folgerichtig veranstaltet er daher auch eine lebendige Beerdigung für sich selbst, da all die schönen Worte bei einer richtigen Beerdigung seines Erachtens sinnlos sind, wenn sie der auf diese Weise Geehrte nicht mehr hören kann.

Triviale Weisheiten

„Tuesdays with Morrie“ oder auch „Dienstags bei Morrie“ in der deutschen Übersetzung macht nachdenklich und fordert dazu auf, das eigene Leben und die eigenen Werte zu hinterfragen. Trotz dieses wie beschrieben durchaus ergreifenden Hintergrunds kamen mir persönlich allerdings viele der Aussagen des Buches nicht wirklich neu vor und teilweise schienen sie mir in ihrer Einfachheit fast ein wenig trivial. Bspw. hat bestimmt jeder von uns schon einmal irgendwo gelesen, dass man seinen Job eigentlich nicht des Geldes wegen machen sollte. Ein wenig mag dies auch am Erscheinungsjahr des Buches liegen, denn in den späten 90ern des vergangenen Jahrhunderts waren vielleicht wirklich viele von Morries‘ Weisheiten über den Wert des Lebens in allen seinen Facetten noch nicht so präsent wie sie es vor allem in meiner Generation sind (oder zumindest sein sollten).

Abschluss

Insgesamt hat mich „Tuesdays with Morrie“ zwar nicht enttäuscht, den auf dem Buchrücken und den ersten Seiten angekündigten lebensverändernden Effekt konnte ich jedoch nur bedingt feststellen. Gleichwohl lässt einen Morries Schicksal nicht kalt und wer sich einmal selbst reflektieren und das eigene Leben mehr zu schätzen wissen möchte, dem kann man dieses Buch ohne Bedenken ans Herz legen.

Details zum Buch

Autor: Mitch Albom
ISBN: 978-0-385-49649-0
Preis: 7,49 Euro
Seiten: 192
Verlag: Anchor Books
Erscheinungsjahr: 1997

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