Rezension – Die Entdeckung der Currywurst von Uwe Timm

Wahrscheinlich war es eine Buchempfehlung auf Amazon oder Rebuy. Ich bin mir nämlich gar nicht mehr so sicher, wo ich über dieses Buch gestolpert bin, aber ich wusste, dass ich es lesen musste. Pflichtlektüre: Nicht nur als großer Imbussbuden-Fan, sondern tatsächlich auch, weil das Buch so kurz ist. Dadurch eignet es sich potentiell für kurze Leseintervalle, also wenn die Kinder mal schlafen oder wenn man abends noch 20 Minuten Zeit hat.

BUCHVORSTELLUNG & MEINE MEINUNG

Was im englischen Titel „The Invention of the Curried Sausage“ leider etwas untergeht, kommt im deutschen Titel voll zur Entfaltung. Entdeckt, nicht erfunden. So muss die Currywurst ihren Weg in unsere Herzen gefunden haben. Mit diesem Zauber führt der Autor den Leser in eine extrem kurzweilige und raffiniert erzählte Geschichte ein, die einen einfach nicht mehr loslässt: In Erinnerung an seine Kindheit sucht der Erzähler die alte Imbissbudenbesitzerin, Lena Brücker auf. Von dieser erhofft er sich, dass sie das Geheimnis um die Erfindung, Entschuldigung: die Entdeckung der Currywurst lüftet. Lena Brücker übernimmt ihrerseits das Erzählen und entführt uns nun in die letzten Apriltage des Jahres 1945. Sie nimmt einen Soldaten, Herrmann Bremer, bei sich auf und beginnt mit ihm eine Liebesbeziehung, wegen der Bremer Fahnenflucht begeht. Bremer taucht für 27 Tage bei ihr unter und ist von der Außenwelt abgeschnitten. Brücker erzählt ihm nichts von der Kapitulation und somit muss er aus seiner Sicht weiter versteckt bleiben. Die räumliche Enge, die Bange um das eigene Leben und das Zurückhalten von Informationen belasten die Beziehung der beiden immer mehr. Eines Tages erzählt Lena Brücker Herrmann Bremer dann doch die Wahrheit, woraufhin dieser verschwindet. Frau Brücker entscheidet sich daraufhin, mit einer Imbissbude auf eigenen Beinen zu stehen. Ein kleines Missgeschick beim Tragen der Zutaten und schwupp, ist die Currywurst erfunden. Herrmann Bremer sieht sie danach noch ein einziges Mal an ihrer Imbissbude wieder.

Eine wunderschöne Geschichte, die ich wahrscheinlich an einem Tag durchgelesen hätte, wenn ich die Zeit dazu gehabt hätte. Dabei ist der Schreibstil an manchen Stellen etwas gewöhnungsbedürftig, denn viele Zeitsprünge und keine markierte direkte Rede machen manche Stellen einfach etwas holprig zu lesen. Das Festhalten an einer alten Welt und das Erschaffen einer „Parallelwelt“, damit die Liebesbeziehung noch ein paar Tage länger Bestand haben möge, sorgt für die Spannung in der Geschichte. Der Leser weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Tatsächlich entlädt sich die Spannung durch den Weggang des Herrmann Bremer, jedoch zunächst ohne richtige Auflösung und im luftleeren Raum. Die späte Versöhnung der beiden ist für mich das Element, welches das Buch über eine reine Liebeserklärung des Erzählers an die Currywurst hinaushebt und es zu einer Liebesgeschichte macht. Somit findet auch der Leser ein versöhnliches Ende.

DETAILS ZUM BUCH

Autor: Uwe Timm
ISBN: 978-3-423-19127-2 (Meine Ausgabe: 978-3-423-12839-1)
Preis: 10,90€
Seiten: 192
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 1993

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